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Eine Gefahr für den Fährbetrieb entstand 1869, als der Plan aufkam, Fahrdorf mit dem Schleswiger Gelände auf der Freiheit durch einen Damm mit Brücke zu verbinden. Es gab heftige Verfechter wie auch Gegner dieses Vorhabens. Der Streit zog sich bis zur Jahrhundertwende hin. Die Verwirklichung des Planes stand bereits so dicht bevor, dass Postkarten mit der noch nicht errichteten Brücke gedruckt, verkauft und verschickt wurden. Dann setzten sich aber doch finanzielle Erwägungen und Argumente des Umweltschutzes durch. Man befürchtete, die Schleswiger Abwässer könnten aus dem inneren Schleibecken nicht mehr genügend abfließen und einen übelriechenden Sumpf hinterlassen. Als 1903 der Fährkahn umschlug und die alte Kuchenfrau J anner Knudel, die Fahrdorf mit Backwaren versorgte, fast ertrunken wäre, flammte der alte Streit noch einmal auf, um dann endgültig zu den Akten gelegt zu werden.

Wenn auch niemals eine feste Verbindung zwischen Fahrdorf und der Freiheit entstand, kam doch einmal eine vorübergehende zustande. Im Herbst 1967 bauten Bundeswehrpioniere eine Pontonbrücke von Fahrdorf zum nördlichen Schleiufer- und die Fahrdorfer Landwirte konnten ein paar Tage lang über diese Brücke Rüben an die Zuckerfabrik in Schleswig liefern. Das Kloster verpachtete 1898 die Fähre mit Fährhaus und Schankgerechtigkeit für zehn Jahre an E. Nielsen. Damals belief sich die Pachtsumme auf 300 Mark jährlich. Die Landungsstege und die beiden Boote musste der Fährmann auf seine Kosten unterhalten. Den Ausgaben standen als Einnahme 8 Pf pro Person und Überfahrt gegenüber. Die Loopstedter Familien konnten sich durch eine einmalige Zahlung von 60 Pf das ganze Jahr übersetzen lassen. Bei diesen Gebühren dürfte der Fährbetrieb nicht mehr lohnend gewesen sein, und es verwundern nicht die Klagen über die Vernachlässigung der Anlegestege und der Signalanlagen.

Bei der Gelegenheit erfährt man, dass die Passagiere bei Niedrigwasser noch immer auf dem Rücken des Fährknechts in den Kahn getragen wurden, "wogegen sich die Damen meist sträuben". Einen früheren Fährknecht hatte schon Adelbert Graf Baudissin als einen zuverlässigen Mann "mit unendlichen Wasserstiefeln" beschrieben, der mit den Passagieren auf dem Rücken noch nie gestrauchelt sei.

Der letzte Fährmann Willy Callsen erleichterte sich die Arbeit, indem er einen Ford 4-Zylinder Automotor in den Fährkahn einbauen ließ. Doch fand die Fähre schon bald ihr Ende, als in der Mitte der 30er Jahre auf der Schleswiger Freiheit Kasernen gebaut wurden. Versuche, die Fähre nach dem Zweiten Weltkrieg wiederzubeleben, scheiterten. Inzwischen hatte Fahrdorf bessere Verkehrsverbindungen über die Bundesstraße 76 nach Schleswig. Die Fähre war überflüssig geworden. Geblieben aber sind das mehrfach umgestaltete Gebäude und der Name. Im "Alten Fährhaus" betreibt Tanja Hempfing heute eine Gaststätte, die zu privaten und öffentlichen Anlässen gerne genutzt wird.